Pro Retina Stiftung

Stiftung zur Verhütung von Blindheit

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Franz Badura bei der DOC 2014 mit Dr. Armin Scharrer (links) und Prof. Rupert Menapace (rechts)

PRO RETINA Stiftung zur Verhütung von Blindheit -Vorstandsmitglied Franz Badura in "Hall of Fame Ophthalmologie" aufgenommen

Eine große Auszeichnung durfte das Vorstandsmitglied der PRO RETINA Stiftung, Franz Badura, entgegen nehmen: er ist seit vergangenen Freitag Mitglied in der "Hall of Fame Ophthalmologie". Damit ist der Amberger der Erste, der als Nicht-Ophthalmologe mit diesem Ehrenpreis für sein herausragendes Lebenswerk und seine Verdienste um die Augenheilkunde bedacht wurde. Die Aufnahmezeremonie fand im Rahmen des 27. Internationalen Kongresses der Ophthalmochirurgen (DOC) in Nürnberg statt. „Ich empfinde es als große Ehre, die ich mit den vielen ehrenamtlichen Helfern der PRO RETINA Deutschland teile“, sagte der Ausgezeichnete.

Franz Badura selbst ist an einer chronischen Netzhautdegeneration erkrankt. Ende der 80er Jahre trat er der Selbsthilfeorganisation PRO RETINA bei. Von 2003 an leitete er fünf Jahre lang den Fachbereich Forschung/ Therapie innerhalb der Patientenorganisation und ist seit 2003 auch themenbezogener Patientenvertreter beim Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA). Er ist Mitglied in den beiden wissenschaftlichen Beratungsgremien der PRO RETINA, im Arbeitskreis “Klinische Fragen“ (AKF) sowie im Wissenschaftlich Medizinischen Beirat (WMB).

Forschungsprojekte angestoßen

2005 initiierte Franz Badura das inzwischen schon neunmal veranstaltete internationale Forschungskolloquium “Potsdam-Meeting“. In diesem interdisziplinären Dialog zwischen Klinikern und Grundlagenwissenschaftlern geht es vor allem um die Förderung von Nachwuchswissenschaftlern. Auch den 2012 in Hamburg stattgefundenen 17. Retina International Congress organisierte er federführend.

Der Oberpfälzer ist ebenfalls seit 2013 der Vorstandsvorsitzende der PRO RETINA Deutschland e. V..

Musik ist seine zweite Leidenschaft

Neben der wissenschaftlichen Förderung steht die Musik im Mittelpunkt seines Lebens. Ein Biologiestudium in Regensburg brach er zugunsten eines Trompetenstudiums an der Hochschule für Musik zu Köln ab. 1996 eröffnete er in seiner Heimatstadt Amberg eine Musikschule. Immer wieder begeisterte der Bläser mit erstklassigen Auftritten nicht nur bei Kirchenkonzerten zu Werken von G. Ph. Telemann, G. Torelli, G. F. Händel sowie L. Mozart. Badura spielte 2010 in Berlin sogar zu Ehren Ihrer Königlichen Hoheit Spaniens, Letizia, Prinzessin von Asturien. In Rom beglückwünschte er 2012 dem damaligen Papst Benedikt den XVI. zum 85. Geburtstag mit einem Auftritt zusammen mit dem Solo-Oboisten der Berliner Philharmoniker und dreimaligen „Echo-Klassik“-Gewinner Albrecht Mayer.




*Retinitis Pigmentosa Forschungspreis 2016*

Der diesjährige RP-Forschungspreis der PRO RETINA Deutschland e. V. und der Retina Suisse ist im Rahmen des 114. Kongresses der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in Berlin an Herrn Dr. rer.nat. Elvir Becirovic vom Department für Pharmazie der Ludwig Maximilian Universität München vergeben worden.

Der Preis wurde zuerkannt für drei miteinander verbundene Publikation zum Thema „Physiologie und Pathophysiologie von Peripherin-2 (PRPH-2)“.

* Becirovic, E., S. Bohm, O.N. Nguyen, L.M. Riedmayr, M.A. Koch, E.

Schulze, S. Kohl, O. Borsch, T. Santos-Ferreira, M. Ader, S.

Michalakis,

and M. Biel. 2016. In Vivo Analysis of Disease-Associated Point Mutations

Unveils Profound Differences in mRNA Splicing of Peripherin-2 in Rod and

Cone Photoreceptors. PLoS Genet. 12:e1005811.

* Nguyen, O.N., S. Bohm, A. Giessl, E.S. Butz, U. Wolfrum, J.H.

Brandstatter, C. Wahl-Schott, M. Biel, and E. Becirovic. 2016.

Peripherin-2 differentially interacts with cone opsins in outer segments

of cone photoreceptors. Hum. Mol. Genet.

* Becirovic, E., O.N. Nguyen, C. Paparizos, E.S. Butz, G.

Stern-Schneider,

U. Wolfrum, S.M. Hauck, M. Ueffing, C. Wahl-Schott, S. Michalakis, and M.

Biel. 2014. Peripherin-2 couples rhodopsin to the CNG channel in outer

segments of rod photoreceptors. Hum. Mol. Genet. 23:5989-5997.

Die drei Arbeiten beschäftigen sich mit der Frage, weshalb Punktmutationen im sogenannten PRPH-2-Gen eine unterschiedliche "Durchschlagkraft"

(Penetranz) in Stäbchen und Zapfen aufweisen. Mutationen in diesem Gen gehören zu den häufigsten Ursachen für bestimmte Formen der Retinitis Pigmentosa (autosomal dominant), die allerdings mit ganz unterschiedlichen Merkmalen auftreten kann, so dass keine klare Beziehung zwischen Genotyp und Erscheinungsbild (Genotyp -Phänotyp-Korrelation) möglich ist. Den Arbeiten von Herrn Dr. Becirovic liegt die Hypothese zugrunde, dass es unterschiedliche Interaktionspartner in den Außensegmenten von Stäbchen und Zapfen gibt, die sich je nach Lokalisation bestimmter Peripherin-2-Punkt-Mutationen unterschiedlich auswirkt. Dr. Becirovic hat diese Frage in Photorezeptoren von Mausmodellen mit Hilfe von eigens konstruierten PRPH-2-Minigenen systematisch untersucht. So konnte er zeigen, dass Peripherin-2 mit den unterschiedlichen Opsinen (Proteinanteil des

Sehpigments) der Zapfen und Stäbchen interagiert. Mit weitergehenden Untersuchungen konnte bei einer bestimmten Maus-Mutante gezeigt werden, dass diese Punktmutation zu einer spezifischen Störung und zu einem bestimmten Krankheitsbild führt.

Diese Studien-Ergebnisse liefern neuartige Einsichten in die Physiologie und Pathophysiologie von Peripherin-2 in Stäbchen und Zapfen der Netzhaut und weisen auch auf neue Regulationsfaktoren hin. Die Ergebnisse legen auch nahe, dass eine überhöhte Zahl von Genkopien (Überexpression) von Peripherin-2 toxische Effekte vermitteln könnte, die eine Genersatztherapie zur Behandlung von PRPH-2-vermittelten Zapfendystrophien sehr schwierig machen würde.

Die Originalveröffentlichung von Hr. Dr. Becirovic sind damit von sehr hoher wissenschaftlicher Qualität und haben große Bedeutung für die zukünftigen Strategien von Behandlungen der erblichen Netzhautdystrophien.

Dr. Becirovic hat in Köln Biologie studiert und am Department für Pharmazie (Center for Drug Research) der Ludwig Maximilian Universität München 2010 zum Dr. rer. nat. promoviert. Seither ist er als Nachwuchsgruppenleiter in dieser Abteilung tätig. Mit seinen Leistungen gehört er eindeutig zum hoffnungsvollsten wissenschaftlichen Nachwuchs im Bereich der experimentellen Forschung, die auf das Verständnis von Krankheitsmechanismen bei degenerativen Netzhauterkrankungen und deren Therapie ausgerichtet ist.

*Makula (MD)-Forschungspreis 2016*

Der diesjährige MD-Forschungspreis der PRO RETINA Deutschland e. V. ist beim diesjährigen Kongreß der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in Berlin Herrn Dr. Felix Grassmann vom Institut für Humangenetik der Universität Regensburg zuerkannt worden für die vier miteinander verbundenen Publikationen zum Thema „Genetische und epigenetische Faktoren bei der Alterbedingten Makuladegeneration“:

* Grassmann F, Cantsilieris S, Schulz-Kuhnt AS, White SJ, Richardson AJ,

Hewitt AW, Vote BJ, Schmied D, Guymer RH, Weber BH, Baird PN.

Multiallelic copy number variation in the complement component 4A (C4A)

gene is associated with late-stage age-related macular degeneration

(AMD). J Neuroinflammation 13:81, 2016

* Fritsche LG*, Igl W*, Bailey JN*, Grassmann F*, Sengupta S*, et al. A

large genome-wide association study of age-related macular degeneration

highlights contributions of rare and common variants. Nat Genet

48:134-43, 2016 (* = gleichberechtige Erstautoren)

* Grassmann F, et al. A Candidate Gene Association Study Identifies DAPL1

as a Female- Specific Susceptibility Locus for Age-Related Macular

Degeneration (AMD). Neuromolecular Med 17:111-20, 2015.

* Grassmann F, et al. A circulating microRNA profile is associated with

late-stage neovascular age-related macular degeneration. PLoS One

9:e107461, 2014.

In der ersten Publikation haben Grassmann und Kollegen erstmals gezeigt, dass die Anzahl an Genkopien des Komplement-C4 Gens mit dem Krankheitsrisiko der AMD verknüpft sind. Dies liefert einen weiteren unabhängigen Beweis, dass eine Fehlregulation des Komplementsystems (ein Teil des Immunsystems) eine wesentliche Rolle bei der AMD-Erkrankung spielt. Sie ist zudem eine der ersten Arbeiten auf dem Gebiet der AMD, die einen neuen Typus von genetischer Variabilität – die Veränderung von Kopienzahlen – als wichtige Ursache für Fehlregulationen von Komplementproteinen beschreibt.

Die zweite Arbeit ist im Rahmen einer Kooperation mit 27 internationalen Arbeitsgruppen entstanden (International AMD Genomics Consortium, IAMDGC): in einer Studie mit über 30.000 Probanden wurden 16 bisher unbekannte AMD-assoziierte Genregionen identifiziert, die etwa die Hälfte des genetischen Risikos für eine AMD beschreiben.

In der dritten Arbeit haben Grassmann et al. (2015) einen Zusammenhang zwischen AMD und Veränderungen im sogenannten DAPL1-Gen beschrieben. Die Entdeckung, daß dies in diesem Fall nur das AMD-Risiko für Frauen und nicht für Männer beeinflußt, ist ein erster Befund einer Geschlechts-spezifischen genetischen Assoziation bei der AMD und könnte ein Ansatz sein, das erhöhte Risiko für eine AMD bei Frauen vertiefter zu untersuchen.

In der vierten Arbeit konnten Grassmann et al. (2014) für die AMD erstmalig zeigen, dass ein Zusammenhang besteht zwischen der Umsetzung der genetischen Information von kleinen RNA-Molekülen im Plasma (sogenannte zirkulierende

microRNAs) mit der neovaskulären (feuchten) AMD. Zudem konnten sie nachweisen, dass diese zirkulierenden microRNAs eine Rolle in der Regulation der Neovaskularisation spielen und damit potentiell ein therapeutisches Zielmolekül darstellen könnten.

Mit diesen vier herausragenden Arbeiten hat Hr. Dr. Felix Grassmann einen sehr wichtigen Beitrag zum Verständnis von genetischen und epigenetischen Faktoren bei der AMD geleistet, neue AMD-assoziierte genetische Veränderungen beschrieben und die ersten geschlechtsspezifischen Assoziationen von epigenetischen Regulatoren der AMD nachgewiesen.

Herr Dr. Felix Grassmann hat in Regensburg Biologie studiert und 2015 am Institut für Humangenetik bei Hr. Prof. Bernhard Weber promoviert. Seither arbeitet er als Postdoktorand an diesem Institut. Mit herausragenden Leistungen in einer frühen Phase seiner Karriere zählt er zum hoffnungsvollsten wissenschaftlichen Nachwuchs der ophthalmologischen Genetik.



 


 


 

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