Pro Retina Stiftung

Stiftung zur Verhütung von Blindheit

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Pro Retina-Stiftung – Jahresbericht 2018

1. Organe der Stiftung

Am 21. Mai 2016 wurden die Organe der Stiftung durch die Delegiertenversammlung der Pro Retina Deutschland e.V. für die Jahre 2017 bis 2020 neu besetzt.
Dem Vorstand gehören folgende Personen an:
Maria Kretschmer, Dachau, Vorsitzende
Franz Badura, Amberg, stellvertretender Vorsitzender
Prof.Dr. Karl-Josef Gundermann, Köln
Helma Gusseck, Bonn
Günter Kretschmer, Dachau

Dem Stiftungsrat gehören folgende Personen an:
Prof. Dr. Helmut Papp, Leipzig, Vorsitzender
Dr. Jürgen Mertes, St. Augustin
Gerhard Hedderich, Laatzen
Dr. Karin Langhammer, Holzkirchen
Dr. Rainald von Gizycki, Bad Nauheim
Prof. Dr. Reto Weiler, Oldenburg

2. Tätigkeitsbericht des Vorstandes

2.1. Bericht über die Forschungsförderung
Gemäß dem in der Satzung festgelegten Zwecke der Stiftung, die Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Netzhautdegenerationen zu fördern, hat die Stiftung im Jahre 2018 mit einer Gesamtsumme von 145.000 € folgende Aktivitäten durchgeführt:
Es wurden zu den bereits laufenden Stipendien und Projekten zwei Promotionsabschlussfinanzierungen in Gießen und Oldenburg bewilligt, zwei Promotionsstipendien in Bochum und Regensburg neu vergeben, zwei Forschungspreise verliehen, zwei Kongressreisen bezuschusst, zwei Kleinprojekte an den Universitäten Bonn und Münster, einen zweimonatigen USA-Aufenthalt sowie einen Zuschuss zum internationalen Usher-Symposium bewilligt. Um jungen Nachwuchs-Forschern die Teilnahme am RD-Meeting in Irland zu ermöglichen, wurde dieses bezuschusst. Wie in jedem Jahr hat die Stiftung ein Kolloquium für junge Forscher in Potsdam ausgerichtet.
Im Einzelnen sind dies folgende Aktivitäten:

2.3
2.2. Promotionsstipendien
Neben den noch laufenden bewilligten Promotionsstipendien wurden der Abschluss von zwei Promotionen in Gießen und Oldenburg für ein Jahr bewilligt sowie zwei weitere Promotionsstipendien in Bochum und Regensburg neu vergeben.
Experimentelle Ophthalmologie, Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde Justus-Liebig-Universität Gießen; Franziska Wagner bei Prof. Dr. Dr. Knut Stieger
Thema: „Der Status der DNA Reparaturmechanismen in Photorezeptoren – Genexpressionsstudien an der organotypischen Netzhautkultur.“

Erbliche Netzhautdegenerationen sind eine Gruppe von Erkrankungen, die durch Mutationen in über 200 Genen ausgelöst werden können. Die Nutzung der zelleigenen DNA Reparaturmechanismen stellt eine vielversprechende Therapiemöglichkeit dar. Durch den Einsatz hochspezifischer Nukleasen, die einen gezielten Doppelstrangbruch in der DNA durchführen, kann mit Hilfe eines exogenen DNA-Templates das mutierte Gen ausgetauscht werden.Über die dabei ablaufenden DNA Reparaturprozesse ist schon relativ viel in mitotischen Zellkulturen bekannt. Dagegen ist das Wissen über diese Prozesse in postmitotischen, stark differenzierten und speziellen Neuronen der Netzhaut limitiert.
Um die Anwendung und das Potenzial des therapeutischen genome editings in der Netzhaut zu studieren und zu optimieren, bevor es in vivo an der Netzhaut der Maus getestet wird, kommen organotypische Retinakulturen zum Einsatz. Sie stellen ein Intermediärsystem zwischen mitotischen Zellen in vitro und der in vivo Situation dar, wobei innerhalb der ersten Woche in Kultur neurodegenerative Veränderungen noch relativ mild sind.
Im Rahmen der Dissertation sollen der Genexpressionslevel zentraler DNA Reparaturproteine in der organotypischen Retinakultur von adulten Mäusen untersucht werden, wobei der Fokus auf den Vorgängen in Photorezeptoren liegt, da sie die Zielzellen in späteren Therapieansätzen darstellen.

Universität Oldenburg, Institut für Physik, Abteilung Energie- und Halbleiterforschung, Carl-von-Ossietzky-Str. 9-11, D-26129 Oldenburg
Karim Habashy bei Jun.-Prof. Dr. Manuela Schiek

Thema: „Weiterentwicklung von elektrisch autarken, photovoltaischen bionischen Photorezeptoren, basierend auf weichen, organischen photoaktiven Materialien für zukünftige Retina-Implantate.„

Photovoltaische Retina-Implantate sind aktive Bauteile; das heißt, sie benötigen keine externe Stromversorgung, sondern wandeln ein Lichtsignal direkt in einen Stromimpuls um. Das reduziert den operativen Aufwand am Patienten, da kein zusätzlicher Transponder zur Stromversorgung implantiert werden muss.
Derartige Implantate befinden sich noch in der Entwicklungsphase, insbesondere mit Verwendung organischer photoaktiver Materialien. Wir haben kürzlich einen bionischen photovoltaischen Photorezeptor aus organischen Materialien vorgestellt, der bei Belichtung transiente Strompulse aussendet, die in neuronenähnlichen N2A-Zellen Transmembranströme auslösen. Der Photorezeptor erscheint jedoch durch seinen transienten Charakter und seinen kapazitiven Stimulationsmechanismus prinzipiell limitiert zu sein. Deswegen stellen wir unser Konzept auf einen ladungsinjektionsgestützten Mechanismus mit Hilfe von Polymer-basierten Elektroden um. Diese Art der direkten, kontinuierlichen elektronischen Stimulation ist bereits bei anorganischen Retina-Implantaten etabliert. Wir zielen durch den Einsatz von (erstens) photo-voltaischen Materialen auf aktive Implantate ohne externe Stromversorgung ab und (zweitens) nutzen dabei gleichzeitig die Vorzüge der organischen photoaktiven Materialien aus: bessere Gewebeverträglichkeit und eine farbenselektive Antwort. Der elektrisch autarke bionische Photorezeptor wird im Rahmen einer vollfinanzierten laufenden Doktorarbeit (DFG-gefördertes Graduiertenkolleg) konzeptioniert und umgesetzt. Die PRO-RETINA-Stiftung unterstützt die Antragstellerin – als treibende Kraft hinter dem Projekt –, damit sie (erstens) die Doktorarbeit im vollen Umfang abschließend betreuen und (zweitens) die wissenschaftlichen Ergebnisse in einschlägigen Fachjournalen publizieren kann, als Vorbereitung für einen vollen Projektantrag.

Universitäts-Augenklinik Ruhr Universität Bochum, In der Schornau 23-25, 44892 Bochum
Natalie Wagner (M. Sc.) bei PD Dr. med. Stephanie Joachim

Thema: „Untersuchung der Rolle von Inflammasomen an einem neuen in vitro AMD-Organkulturmodell“

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist eine progressive, neurodegenerative Erkrankung der Retina. Grund des zunehmenden Sehverlustes ist die Akkumulation von Drusen zwischen der Bruch’schen Membran und dem retinalen Pigmentepithel (RPE). Dies resultiert in einer Unterversorgung (Ischämie) und Atrophie des RPEs, was schlussendlich zu einer Degeneration der Photorezeptorzellen führt.
Während ihrer Promotion wird sich Fr. Natalie Wagner daher mit Pathomechanismen der AMD, die mit immunologischen Veränderungen in Zusammenhang stehen, befassen. Dazu wird sie ein neu entwickeltes in vitro Organkulturmodell der Schweineretina verwenden. Dieses neue Modell wurde durch eine Abwandlung eines in dieser Arbeitsgruppe bereits bestehenden Degenerationsmodells der Schweineretina [1-3] von Frau Wagner etabliert.
Dazu wird eine Ko-Kultur aus einem Neuroretina-Explantat und RPE-Zellen angelegt. Um das Krankheitsbild der AMD so getreu wie möglich in vitro abzubilden, sollen die RPE-Zellen zur Bildung der für die AMD charakteristischen Drusen angeregt werden.
Hierfür werden drei mögliche Induktionsmethoden vergleichend untersucht. Diese basieren zum einen darauf, dass Drusen unter anderem aus Stoffwechselprodukten der Photorezeptoraußensegmente bestehen [4] und zum anderen darauf, dass Drusen gehäuft bei Patienten mit Netzhautdegeneration bzw. Netzhautablösung auftreten [5-7]. Mit der erfolgreichsten dieser Methoden wird in den nächsten Projektteilen weitergearbeitet.
Dieses in vitro Organkulturmodell ermöglicht dann die Untersuchung des Einflusses von Inflammasomen und Zytokinen, welche als Reaktion auf die Drusen ausgebildet werden. Hier soll der Fokus auf dem Rezeptor NLRP3 (nucleotide-binding domain, leucine-rich repeat 3) liegen, welcher mit einer autoinflammatorischen Reaktion assoziiert wird. Die neuen Erkenntnisse aus dem Modell können außerdem dazu genutzt werden, um nachfolgend mögliche therapeutische Ansätze zu entwickeln und zu untersuchen.
So soll im letzten Projektteil der mögliche Nutzen einer Caspase-1-Inhibition in dem AMD-Organkulturmodell untersucht werden.
Darüber hinaus bietet das neu entwickelte in vitro AMD-Modell weitere Vorteile:
Zum einen kann es ebenso von anderen Forschungsgruppen gut reproduziert und genutzt werden und zum anderen trägt es zur erheblichen Reduktion von Tierversuchen bei. Somit besitzt dieses neue Modell eine hohe Relevanz sowohl für den Tierschutz als auch für die wissenschaftliche, speziell die AMD-forschende, Gemeinschaft.

Universität Regensburg – Fachbereich Medizin – Institut für Humangenetik, Franz-Josef-Strauss-Allee 11, 93053 Regensburg
Fabiola Biasella bei Prof. Dr. Bernhard Weber

Thema: „Ein Beitrag zur Aufklärung der molekularen Pathogenese der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD): Untersuchungen zum Einfluss von genetisch signifikant assoziierten Regulatoren des MAP Kinasen Signalwegs auf die Integrität der Netzhaut“

Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist eine degenerative Erkrankung der Netzhaut, deren Entwicklung durch das Alter, den genetischen Hintergrund und weitere individuelle/umweltabhängige Faktoren beeinflusst wird. Die molekularen Prozesse, die der AMD-Pathogenese unterliegen, sind bis heute nur unvollständig aufgeklärt. Neben einer Fehlregulation der Komplementkaskade als Teil des angeborenen Immunsystems deuten Ergebnisse von genomweiten Assoziationsstudien (GWAS) auch auf genetische Faktoren hin, die in die Regulation von MAPK (Mitogen Activated Protein Kinases) Signalwegen eingebunden sind.
In der bis heute umfangreichsten GWAS mit 16.000 Patienten und 17.000 Kontrollpersonen wurden 34 AMD-assoziierte Genorte mit genomweiter Signifikanz detektiert (Fritsche et al., 2016). Darunter befinden sich auch Assoziationen mit mehreren Genen, deren Produkte als MAPK Regulatoren bekannt sind.
In dieser Arbeit sollen drei dieser Gene, BRAP (BRCA1 associated protein), NRTN (Neurturin) und VTN (Vitronectin), auf ihre Rolle in der AMD-Pathogenese untersucht werden. Hierfür werden verschiedene Modellsysteme wie retinale Zelllinien, murine primäre RPE-Zellen und Netzhaut- bzw. Choroid-Explantate herangezogen.
An diesen wird der Einfluss von BRAP, NRTN und VTN auf MAPK Aktivierung sowie auf charakteristische Prozesse der AMD-Pathogenese, einschließlich Apoptose, Angiogenese/Neovaskularisation und Mikroglia/Müllerzell-Aktivierung untersucht. Zudem werden die Konsequenzen der bekannten AMD-assoziierten genetischen Varianten in BRAP, NRTN und VTN auf die jeweilige Funktion ihrer Genprodukte analysiert.
Diese Herangehensweise wird unser Verständnis der initialen Pathomechanismen bei der Entwicklung der AMD vertiefen. Damit einhergehend soll dieser Erkenntnis basierte Ansatz eventuelle neue therapeutische Optionen, beispielsweise über eine Regulation des MAPK Signalwegs, ausloten und in geeigneten Modellsystem erproben.

Forschungsprojekte
2.3. Kleinprojekte
Folgende Kleinprojekte wurden gefördert:
Universitäts-Augenklinik Bonn, Lorenweg 43, 53347 Alfter
cand. med. Leon von der Emde, Doktorand

Thema: „Struktur-Funktions-Korrelation in gesunden Probanden sowie Patienten mit retinaler Atrophie in Gegenwart choroidaler Neovaskularisationen bei altersabhängiger Makuladegeneration“

Universitätsklinikum Münster, Klinik für Augenheilkunde, Domagkstr. 15, 48149 Münster
Nelis, Pieter
Thema: „Neurovaskuläre Kopplung bei Patienten mit Retinopathia Pigmentosa der Netzhaut und des Sehnervs wird durch neuronale Aktivität moduliert. Stimulation der Netzhaut durch Lichtreize führt zu unterschiedlichen neuronalen Algorithmen und verschiedenen Informationscodierungsstrategien, die Erhöhungen des Blutflusses erfordern. Dies wird durch eine Gruppe von Zellen sowohl vaskulären als auch neuralen Ursprungs erreicht, dem neurovaskulären Komplex.
Retinopathia Pigmentosa führt im fortgeschrittenen Stadium zum Verlust der retinalen Sinneszellen und des retinalen neurovaskulären Komplexes, was zur völligen Erblindung des Betroffenen führen kann. Patienten müssen bisher aufwändige elektrophysiologische Untersuchungen durchlaufen. Dieses Projekt untersucht eine neuartige Diagnosemethode, die für die Patienten deutlich weniger belastend wäre, da keine Periode von Dunkeladaptation notwendig ist, und die Periode der visuellen Stimulation deutlich kürzer ist.
Die neue Technologie der optischen Kohärenztomographie-Angiographie (OCT-A) ermöglicht es, nicht nur große Gefäße darzustellen, sondern besitzt die einzigartige Möglichkeit, die Mikrozirkulation in verschiedenen Schichten der Netzhaut dreidimensional und hochauflösend zu visualisieren und zu quantifizieren. Frühere Studien haben bereits mittels OCT-A gezeigt, dass bei Patienten mit Retinopathia pigmentosa eine Abnahme der Gefäßdichte der Retina vorliegt. Das Ziel dieses Projektes ist es, erstmalig die funktionellen Veränderungen der neurovaskulären Kopplungsmechanismen bei Patienten mit Retinopathia pigmentosa im Vergleich zu gesunden Probanden mit OCT-A zu evaluieren. Hierzu werden Lichtreize durch maßangefertigte Stimulierungsmodule auf die Netzhaut geleitet. Die Reaktion der retinalen Gefäße wird mittels OCT-A erfasst. In weiteren Studien könnte sich eine alternative, akkurate Diagnosemöglichkeit entwickeln lassen, welche sehr viel weniger zeit- und personal- und damit kostenintensiv ist. Als nicht-invasive Methode ist sie für alle Patienten uneingeschränkt geeignet.

Im September 2018 fand in Killarney (Irland) das 18. internationale RD Meeting (XVIIIth International Symposium of Retinal Degeneration) statt, an dem Forscher aus aller Welt teilnahmen. Neben Vorträgen über Neuroprotektion und Mechanismen der Degeneration wurden die Themen aus der Stammzellforschung, der Optogenetik und verschiedenen gentherapeutischen Studien wie zum Beispiel die Gentherapie für RPE-65 (Luxturna), eine Gentherapie für das Gen QR-110 (Sepofarsen) sowie für Achromatopsie (Farbenblindheit) angesprochen.
Die Pro Retina Stiftung hat für junge Forscher einen Betrag von insgesamt 15.000 € zur Verfügung gestellt.

2.4. Forschungspreise
Der grundlagenwissenschaftliche PRO RETINA Forschungspreis 2018 wurde Herrn Niklas Domdei (M.Sc. Biol.) und Herrn Lennart Domdei (B.Sc. Phys.) von der Universitätsaugenklinik Bonn zuerkannt für die gemeinsame Publikation (zusammen mit Reiniger JL, Linden M, Holz FG, Roorda A und Harmening WM) mit dem Thema: „Ultra-high contrast retinal display system for single photoreceptor psychophysics; Biomedical Optics Express 9:157-172, doi10.1364/BOE.9.000157.
Die beiden Erstautoren konnten mit ihrem Projekt einen technischen Meilenstein in der Entwicklung zellgenauer Funktionstestung der Netzhaut erzielen. Sie haben eine Methode erarbeitet, mit der es gelingt, auf Einzelzellebene sowohl mikroskopisch strukturelle Veränderungen direkt in vivo bildlich darzustellen als auch funktionelle psychophysikalische Tests an diesen einzelnen Zellen quasi simultan durchzuführen. Das von den beiden Brüdern entwickelte Verfahren, die Kopplung eines Scanning Laser Ophthalmoskops in einer Adaptive-Optics-Anordnung mit kaskadierten akusto-optischen Modulatoren erlaubt erstmals, auch einzelne Stäbchen-Photorezeptoren des Menschen zu testen. In einem interdisziplinären Ansatz, der Netzhautphysiologie, adaptive Optiken und photonische Physik auf internationalem Höchstniveau vereint, haben die Autoren eine neue Methode für die grundlagenwissenschaftliche und klinische Untersuchung von Netzhautfunktion und -dysfunktion entwickelt.
Zu den Autoren: Hr. Niklas Domdei, geb. 1987, fertigt derzeit seine Promotionsarbeit im Labor von Dr. Wolf Harmening an der Universitätsaugenklinik in Bonn an. Er hat vorher am Institut für Biologie II in Aachen seinen Master in Biologie abgelegt. Er hat bereits zwei Reisestipendien und den Carl Zeiss Poster Award erhalten sowie für seine vorzügliche Masterarbeit eine Auszeichnung „with distinction“ der Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Drei Erstautorenschaften und vier Co-Autorenschaften weisen seine bereits in einer frühen Phase der Karriereentwicklung herausragende wissenschaftliche Tätigkeit nach.
Sein Bruder, Lennart Domdei, legt derzeit den Master of Science in Medical Physics an der Heinrich Heine Universität in Düsseldorf ab und hat sich speziell mit der adaptiven Optik mit einer Hintergrund-freien Mikrostimulation beschäftigt und die preisgekrönte Publikation als gleichberechtigter Erstautor mit gestaltet.
Der Wissenschaftlich Medizinische Beirat der PRO RETINA hat in besonderer Weise gewürdigt, dass die beiden Autoren in einer sehr frühen Phase ihrer akademischen Entwicklung international herausragende Innovationen im Bereich der Bildgebung und der Einzelzell-Psychophysik geleistet haben, die international an vorderster Front der Entwicklung stehen. Die jungen Wissenschaftler zählen damit zum hoffnungsvollsten wissenschaftlichen Nachwuchs für die innovative in vivo Bildgebung in der Ophthalmologie in Deutschland.

Der klinische PRO RETINA Forschungspreis 2018 wurde Herrn Dr. med. Maximilian Pfau von der Universitätsaugenklinik Bonn zuerkannt für eine Serie von fünf Originalarbeiten zu funktionellen und strukturellen Biomarkern als Studienendpunkte bei degenerativen Netzhauterkrankungen.
Drei der Arbeiten beschäftigen sich mit der dunkel-adaptierten Zwei-Farben-Fundus-kontrollierten Perimetrie (FCP), die mit einer modifizierten Version des MAIA-Mikroperimeters durchgeführt wurde. In einer ersten Arbeit (Pfau M, Lindner M, Fleckenstein M, Finger RP, Rubin GS, Harmening WM, Morales NU, Holz FG, Schmitz-Valckenberg S; Ophthalmologica 2017; 237:42-54) wurde mit roten und grünen Testmarken die Test/Re-Test-Zuverlässigkeit einer skotopischen und mesopischen Fundus-kontrollierten Perimetrie untersucht, und zwar unter simultaner konfokaler Scanning-Laser-Ophthalmoskopie mit automatischem Fundus-Tracking, um die Präzision der neuen Methode zu evaluieren. In einer zweiten Arbeit (Pfau M, Lindner M, Müller BL, Birtel J, Finger RP, Harmening WM, Fleckenstein M, Holz FG, Schmitz-Valckenberg S; IOVS 2017; 58: BIO158-BIO167) wurden der dynamische Bereich dieser Methode und die Präzision der Stimulus-Platzierung untersucht. In der dritten Arbeit (Pfau M, Lindner M, Steinberg JS, Thiele S, Brinkmann CK, Fleckenstein M, Holz FG, Schmitz-Valckenberg S) wurden diese Ergebnisse verglichen mit anderen verschiedenen Perimetrie-Indices bei Patienten mit Netzhauterkrankungen und eine höhere Reproduzierbarkeit des FCP-Verfahrens nachgewiesen. Damit leisten diese Arbeiten einen entscheidenden Beitrag für die Fallzahlberechnung und Definition von Testprotokollen in multizentrischen Studien zu Netzhauterkrankungen.
In einer zweiten Thematik wies Hr. Dr. Pfau den Vorteil von Grünlicht-Autofluoreszenz (GAF) gegenüber Blaulicht-Autofluoreszenz (BAF) bei der Vermessung von verschiedenen Formen der geografischen Atrophie (GA) nach. Die beiden Erstautoren Hr. Dr. Pfau und Hr. Dr. Lindner (zusammen mit Goerdt L, Thiele S, Nadal J, Schmid M, Schmitz-Valckenberg S, Sadda SR, Holz FG und Fleckenstein M, Retina 2018 PMID: 29781974) konnten in einer umfangreichen Kohorte von 201 Patienten Progressionsrisikofaktoren beschreiben und damit erstmals die prognostische Relevanz dieser Technik zeigen.
In einer weiteren Arbeit konnten Hr. Dr. Pfau und Hr. Dr. Goerdt als Erstautoren (zusammen mit Schmitz-Valckenberg S, Mauschitz MM, Mishra DK, Holz FG, Lindner M, Fleckenstein M; IOVS 2017; 58:BIO121-BIO130) die Rolle des Luteins bei der Beurteilung der Vermessung der GA mit Hilfe der BAF bei altersbedingter Makuladegeneration optimieren. Diese beiden Arbeiten ermöglichen damit eine signifikante Fallzahlreduktion für zukünftige prospektive Studien zur geografischen Atrophie.
Zur Person des Preisträgers:
Hr. Dr. Pfau ist 1991 geboren, hat in Heidelberg studiert und 2015 promoviert. Er hatte vorher ein Auslandsjahr am Karolinska Institut absolviert und anschließend am Doheny Institut – durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes gefördert – einige Monate gearbeitet, dann ab 2015 ein BONFOR-Stipendium an der dortigen Augenklinik erhalten. Seit Juli 2017 ist er mit Hilfe des Förderprogramms „Nachwuchsgruppe“ der Universität Bonn, betreut von Fr. Prof. Dr. M. Fleckenstein, an der Bonner Universitäts-Augenklinik tätig. Er hat den Dr.-Werner-Jackstädt-Nachwuchspreis der Retinologischen Gesellschaft 2017 erhalten und wurde mit dem EYEnovative 2018 Förderpreis ausgezeichnet. Sein Publikationsverzeichnis weist acht Arbeiten als Erstautor in hochrangigen Zeitschriften nach und 17 Arbeiten als Co-Autor sowie verschiedene Buchkapitel. Hr. Dr. Pfau zählt damit zum hoffnungsvollsten wissenschaftlichen Nachwuchs als „clinical scientist“ in der Ophthalmologie in Deutschland und ist auf dem besten Weg in eine erfolgreiche Hochschullehrerlaufbahn.
Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, die PRO RETINA, die Retina Swiss und der Wissenschaftlich Medizinische Beirat der PRO RETINA wünschen den Preisträgern bei ihren wissenschaftlichen Arbeiten weiterhin besten Erfolg und gratulieren herzlich zu dieser Ehrung.
(Laudationes verfasst von Prof. Dr. med. Eberhart Zrenner, Forschungsinstitut für Augenheilkunde der Universität Tübingen, Vorsitzender des Wissenschaftlich-Medizinischen Beirates der PRO RETINA)

2.5. 13. Internationales PRO RETINA Forschungskolloquium in Potsdam:
Auch im Jahre 2018 fand vom 13. bis 14. April das PRO RETINA Forschungskolloquium mit dem Titel, „Retinal Degeneration: Yet another Push for Treatment“ mit 126 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zum 13. Mal erfolgreich in Potsdam statt.

Mit dem Ziel ein europaweites Forum für die erzielten Fortschritte im Bereich der Netzhautforschung zu schaffen, die u.a. auch durch eine Reihe spezieller Förderprogramme der DFG und des Bundesforschungsministeriums in den letzten Jahren maßgeblich mitgefördert wurden, hatte im April 2005 das 1. Pro-Retina Forschungs-Kolloquium unter dem Titel „Retinal Degeneration – From Bench to Bedside“ in Potsdam am Templiner See stattgefunden. Dieses erste und auch die darauf folgenden, järhlichen Kolloquien waren gemessen an ihrer Resonanz außerordentlich erfolgreich und konnten sich als eine Veranstaltung mit eigenem Profil auf höchstem wissenschaftlichen Niveau als feste Einrichtung etablieren. Kennzeichnend für das „Potsdamer“ Profil waren der wissenschaftliche Austausch in der Konzeption eines „Work in Progress“ sowie die Einrichtung eines Forums, das es ermöglicht innovative Konzepte und Erkenntnisse vorzustellen, um damit intensive Diskussionen der unmittelbar an der Forschung Beteiligten anzuregen. Ebenso charakteristisch für die Veranstaltung war eine sehr bewusst umgesetzte fächer- und themenübergreifende Zusammensetzung der Redner- und Teilnehmerliste, um auch hier eine möglichst breite und übergreifende Basis für einen kritischen interdisziplinären Dialog zu erreichen. Dieses Konzept wurde von den bisherigen Teilnehmern uneingeschränkt positiv aufgenommen, sodass das Potsdamer ProRetina Meeting als eine jährliche Veranstaltungsreihe mit Teilnehmern aus ganz Europa und den USA zu einer festen Größe in der wissenschaftlich-klinischen Fachwelt geworden ist.

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